Begriffserklärung: Produktionsplanung- und steuerung (PPS)

Ziel der Produktionssteuerung ist es, die Vorgaben der Produktionsplanung bestmöglich in der Produktion umzusetzen und Produktionspläne in den täglichen Produktionsablauf zu integrieren. Die DIN 19226 definiert die Produktionssteuerung als: „[…] ein Vorgang in einem System, bei dem eine oder mehrere Inputgrößen die Outputgrößen aufgrund der Gesetzmäßigkeiten des Systems beeinflussen“. Zur Fortführung der Planungsinhalte ist es die Aufgabe der Produktionssteuerung, diese auf konkrete Arbeitsanweisungen zu übertragen und eine qualitäts- und termingerechte Auftragsfertigstellung zu gewährleisten. Dies entspricht der Aufgabenerfüllung und beinhaltet alle Maßnahmen, die zur Produktionsdurchführung notwendig sind, um den Materialfluss so zu steuern, dass die Aufträge unverzüglich durch die Produktion durchlaufen. Hier werden die Verfügbarkeit der Kapazitäten überprüft, Fertigungsaufträge freigegeben, der Fertigungsfortschritt überwacht und ggf. Anpassungsmaßnahmen bei Soll-Ist-Abweichungen durchgeführt. Neben der Auftragsveranlassung spielt die Auftragsüberwachung zur Sicherung der Zielerreichung eine erhebliche Rolle.

Auftragsveranlassung

Ausgangspunkt für die Auftragsveranlassung sind die Ergebnisse der Kapazitätsterminierung, die in Form einer Grobplanung für die Produktionsaufträge dargestellt sind. Aufgabe der Auftragsveranlassung ist es, die konkreten Produktionsaufträge für eine bestimmte Planungsperiode freizugeben. Im Rahmen der Feinplanung erfolgen zusätzlich eine Verfügbarkeitsprüfung benötigter Ressourcen, ein Maschinenbelegungsplan sowie eine Reihenfolgeplanung zur optimalen Auftragsabarbeitung. Eine Herausforderung der Auftragsfreigabe stellt die Zielsetzung einer Minimierung der Durchlaufzeit bei gleichzeitiger Maximierung der Kapazitätsauslastung dar. Das bedeutet Produktionsaufträge so freizugeben, dass eine Kapazitätsauslastung möglichst hoch und die Durchlaufzeit möglichst gering sind.

Verfügbarkeitsprüfung

Bestandteil der Verfügbarkeitsprüfung ist die Überprüfung der Bereitstellung an Materialien, Werkzeugen und Mitarbeiter zur Erledigung der eingelasteten Aufträge. Die Produktionssteuerungsaufgaben beginnen mit der Verfügbarkeitsprüfung für einzelne Werkstattaufträge. In diesem Zusammenhang werden nach der Einplanung und der Freigabe der Werkstattaufträge, deren materialseitige und kapazitive Machbarkeit überprüft. Der Freigabevermerk für die Feinterminierung ist nur dann zu erteilen, wenn der Starttermin aufgrund der Durchlaufterminierung und Kapazitätsplanung durch die Bereitstellung der Materialien gesichert ist. Im Falle einer fehlenden Verfügbarkeit ist eine Anpassung der Feinterminierung oder sogar des Fertigungsprogramms erforderlich.

Reihenfolgeplanung

Die Reihenfolgeplanung legt eine konkrete Abarbeitungsreihenfolge der Produktionsaufträge fest, in der die Arbeitsvorgänge auf den Betriebsmitteln abgearbeitet werden. Innerhalb einer Planungsperiode sind unterschiedliche Produktionsaufträge zur Abarbeitung an einer Kapazität vorhanden und generieren dadurch eine Warteschlange innerhalb der Abarbeitung. Unter Einhaltung der geforderten Endtermine strebt die Reihenfolgeplanung eine optimale Abarbeitungsreihenfolge mit Hilfe ausgewählter Kriterien an. Mögliche Kriterien können durch feste Selektionskriterien, wie bspw. den Prioritätsregeln oder durch Kumulationskriterien in Form einer Minimierung der Rüstzeiten erfolgen. Die Produktionsaufträge in der Warteschlange werden nach ihrer terminlichen Dringlichkeit umsortiert, durch eine Prioritätsziffer gekennzeichnet und erhalten so die neue Positionierung in der Abarbeitungsreihenfolge. Die Auftragsänderungen können noch bis unmittelbar vor Auftragsfreigabe erfolgen. Anknüpfend an die Reihenfolgeplanung folgen eine Aufteilung der Arbeitsinhalte und eine Zuteilung auf einzelne Arbeitsplätze. Ergebnis der Reihenfolgeplanung ist eine Arbeitsverteilungsliste, die in Form eines anlagenbezogenen Terminplans dargestellt ist. Demzufolge werden Produktionsaufträge im Maschinenbelegungsplan einzelnen Maschinen bzw. einzelnen Arbeitsschritten terminlich zugeordnet. Nach der Feinterminierung und der Ressourcenfeinplanung erfolgt die Auftragsfreigabe gemäß unterschiedlichen Verfahren bzw. Regeln. Durch die Freigabe wird die Ressourcenbereitstellung mit allen zugehörigen Material-, Lohn- und Rückmeldescheinen veranlasst und der Auftrag in der Produktion aktiviert. Sobald eine Auftragsfreigabe stattgefunden hat, werden die Aufträge in der vorgegebenen Reihenfolge durchgeführt.

Auftragsüberwachung

Kernaufgabe der Auftragsüberwachung ist die produktionsbegleitende Rückmeldeinformation über den Auftragsvollzug, um die Ist-Daten mit den Soll-Vorgaben zu vergleichen und ggf. Korrekturmaßnahmen vorzunehmen. Die Auftragsfortschrittskontrolle erfolgt meist aufgrund des hohen Detaillierungsgrads der feinterminierten Pläne dezentral in den einzelnen Produktionsbereichen. Für die Kapazitätsüberwachung werden maschinen- und mitarbeiterbezogene Daten erhoben. Grundlage jeder Auftragfortschrittsüberwachung ist die Betriebsdatenerfassung (BDE) zur Überwachung sowohl von Aufträgen als auch von Kapazitäten. Die maschinell-verarbeitungsfähigen Betriebsdaten konzentrieren sich auf das Sammeln und Aufzeigen von auftrags-, maschinen-, mitarbeiter-, und materialbezogenen Daten. Die Auftragsüberwachung benötigt Daten zum Start- und Endtermin des Arbeitsgangs, zum Zeitpunkt der Unterbrechung, der Auftragsmenge, Anzahl der Gut- und Ausschussteile sowie zur Wiederaufnahme unterbrochener Arbeitsgänge. Die Ergebnisse der Auftragsüberwachung werden an alle angrenzenden PPS-Bereiche weitergeleitet und haben informellen Charakter. Neben der Auftragsüberwachung ist es ebenfalls erforderlich, die eingeplanten Ressourcen zu überwachen und deren Belastungssituation ständig zu kontrollieren. Sobald eine Unter- oder Überlastung der Kapazitätsgrenzen festgestellt wird, werden Änderungen in der Feinterminierung bzw. der Reihenfolgeplanung vorgenommen. Materialseitig ist zu überprüfen, aus welchen Gründen Verzögerungen stattfanden. Sofern Störungen auftreten sind diese an die ursprünglichen Auftragsvorgaben mit der geringsten Abweichung anzupassen. In den meisten Fällen werden sie durch den Aufbau einer Bestandsflexibilität, in Form einer Prozess-, Produkt- und Potenzialreservehaltung realisiert. Jedoch sind präventive Maßnahmen zur Sicherung des Produktionsvollzugs und zur Erreichung der PPS-Ziele anzustreben.

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