Begriffserklärung: Kanban

Kanban ist das japanische Wort für Karte oder Zeichen. Tominaga definierte den Begriff 1996 wie folgt:
„Ein Kanban ist ein Träger von Informationen, der mit dem Produkt durch die Fertigung läuft und die notwendigen Arbeitsanweisungen enthält. Ein Kanban kann aber auch eine Belieferung mit neuem Material auslösen. Es gibt also verschiedene Arten von Kanbans. Im Rahmen eines Systems dienen die Kanbans dazu, dass die benötigten Güter in der erforderlichen Menge zur richtigen Zeit produziert werden“
Das Grundprinzip ist denkbar einfach: anstatt Nachfrageschwankungen über Lagerbestände auszugleichen und somit den Produktionsprozess möglichst gleichförmig zu halten (Push-Produktion), setzt die japanische Idee auf eine Bedarfsorientierung. Denn bei der Push-Versorgung der Produktion leitet die vorgelagerte Fertigungsstätte das Material einfach zu einem bestimmten Datum an die nachfolgenden Arbeitsgänge weiter. Dies führt zu unnötigen Lagerbeständen im Vorfeld des nächsten Fertigungsschrittes. Bei Kanban hingegen entnimmt der nachgelagerte Arbeitsgang dem vorgelagerten nur Teile in der benötigten Menge und zum benötigten Zeitpunkt. Ist neues Material notwendig, fordert der Verbraucher über das System den Zulieferer zum Liefern auf. Die zuliefernde Stelle beginnt beim Eintreffen eines Signals, z.B. einer Karte, das angegebene Material bereitzustellen und in einem standardisierten Behälter abzulegen. Anschließend wird der Behälter mit der Karte zu einem vereinbarten Punkt geliefert. Der Empfänger verbraucht die angelieferten Teile bis zu einem Mindestbestand und sendet dann die Kanban-Karte wieder an den Zulieferer.

Welche Arten von Kanban gibt es?

Variationen aller Art sind möglich, weil das Verfahren den jeweiligen Umständen angepasst werden soll. Im Laufe der Anpassung an neue Anforderungen und der kontinuierlichen Verbesserung des Systems entstanden unterschiedliche Kanban-Klassen. Bereits 1980 unterschied man in Japan den

  • Material-Kanban zur Herstellung und Bereitstellung von Material, der nach Anbruch eines Gebindes zurückgegeben wird
  • Signal-Kanban als Material-Kanban, der aber erst zurückgegeben wird, wenn vom Gebinde eine bestimmte Menge verbraucht ist
  • Transport-Kanban, als Aufforderung, ein bestimmtes Material von einem Lagerplatz auf einen Bereitstellungsplatz zu bringen
  • Begrenzter-Kanban, als Material-Kanban der nach einer bestimmten Fertigungsmenge ungültig ist

Welche Ziele werden durch Kanban verfolgt?

In der Zwischenzeit gibt es je nach Philosophie eine Vielzahl von Variationen. Allerdings sind die Ziele die mit einer Einführung von Kanban erreicht werden sollen ähnlich. Ziele,  die messbar und mit der Einführung von Kanban erreichbar sind:

  • Reduzierung der Durchlaufzeiten
  • Bestandssenkung
  • Verminderung von Ausschuss und Abfällen
  • Vereinfachung der Organisation
  • Steigerung der Flexibilität

ABC-Analyse

Die Entscheidung über die Auswahl eines Produktes für die Kanban Bereitstellung kann mit verschiedenen Methoden getroffen werden. Die ABC-Analyse ist eine Planungs- und Ermittlungsmethode, die unter anderem im Rahmen der Materialwirtschaft angewendet wird. Sie untersucht, wie stark sich eine bestimmte Eigenschaft auf die einzelnen Elemente einer betrachteten Menge konzentriert. Mit Hilfe der ABC-Analyse erfolgt eine Einteilung des Materialsortiments in A-Teile, B-Teile und C-Teile entsprechend ihrem relativen Wertanteil am Gesamtwert der beschafften Materialien. Dabei findet eine Mengen – Wert – Verhältnis Untersuchung statt. Diese Untersuchung beruht auf der Erkenntnis, dass in der Regel die Materialbedarfsstruktur eines Unternehmens in der Weise gekennzeichnet ist, dass ein regelmäßig geringer Anteil der verwendeten Materialarten (A-Teile) den Hauptanteil am Wert der insgesamt beschafften Materialien bildet.  Materialarten mit geringerem Anteil am Gesamtwert aber dafür höherem Mengenanteil werden als B – und C – Teile klassifiziert.

Betrachtet man den Verbrauch einzelner Materialien über einen längeren Zeitraum, so ist festzustellen, dass es einerseits Materialien gibt, deren Verbrauch nahezu konstant ist, andererseits Materialien, deren Verbrauch bestimmten Schwankungen unterliegt und schließlich solche mit völlig unregelmäßigem Verbrauch.

Kanban XYZ

XYZ-Analyse

Die nach dem ABC-Verfahren gewichteten Materialien könnten demnach auch entsprechend der Vorhersagegenauigkeit ihres Verbrauchs geordnet werden. Dabei bedeuten die Klassifizierungssymbole folgendes:

X-Teile: Verbrauch ist konstant bei nur gelegentlichen Schwankungen; hohe Vorhersagegenauigkeit.

Y-Teile: Verbrauch unterliegt stärkeren Schwankungen, ist trendmäßig steigend oder fallend oder unterliegt saisonalen Schwankungen; mittlere Vohersagegenauigkeit.

Z-Teile: Verbrauch verläuft völlig unregelmäßig; niedrige Vorhersagegenauigkeit.

Die Durchführung der ABC – Analyse im Zusammenhang mit der XYZ – Analyse ist die Voraussetzung zur Ermittlung der kanbangeeigneten Produkte. Eine Anwendung des Kanban – Systems bietet sich für alle Produkte mit einem steigen Verbrauchsverlauf (X-Produkte und teilweise Y-Produkte) an. Das quantitative Schwankungsintervall in einem Planungshorizont von einer Woche +/- 5% und einem Monat +/- 30% sollte hierbei nicht überschritten werden.  Die Wertigkeit der Produkte (ABC-Analyse) beeinflusst dabei die Ausprägung des Kanbans. Günstige C-Artikel werden zum Beispiel in größeren Gebindemengen mit einer hohen Sicherheitsmenge als Kanbankreislauf realisiert. Teure A-Artikel werden einzeln in Kanbankreisläufen erfasst.

Kanban ABC XYC
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